Sie finden die Jahrbücher online auf unserer Jahrbücher-Webseite: Jahrbücher der Freunde der Monacensia e.V.

Das Jahrbuch des Fördervereins Freunde der Monacensia e. V. enthält jeweils den Jahresbericht der Monacensia mit einer Übersicht über die Ausstellungen und die Veranstaltungen der Monacensia und einen Überblick über die aktuellen Neuerwerbungen. Das Jahrbuch berichtet über die Arbeit des Literaturarchivs und enthält Beiträge von Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern zu Schriftstellerinnen und Schriftstellern, deren Nachlässe oder Teilnachlässe in der Monacensia liegen. Es enthält außerdem Beiträge zu Gedenktagen. Die Aufsätze sind durch Fotos und Faksimiles von unveröffentlichten Dokumenten illustriert.

MonTalk mit Anton G. Leitner

01 Anton G Leitner Klein 2 in der Monacensia Mai 2026

Anton G. Leitner am Monancensia-Brunnen im Mai 2026

Wie kam es, dass du die Juristerei aufgegeben hast zugunsten der Literatur?

Um ehrlich zu sein: Eigentlich habe ich in den 80er-Jahren an der LMU nebenbei Jura studiert, weil ich mich hauptsächlich um die von mir mitbegründete „Initiative Junger Autoren“ (IJA) kümmerte, deren Vorsitzender ich fast zehn Jahre lang war. Schon damals organisierte und kuratierte ich große, internationale Veranstaltungen wie 1988 die „Inter-Aktionen. Tage junger Literatur“ im Kulturzentrum Gasteig. In der Uni war ich nur selten, ich biss dann aber ein Jahr lang die Zähne zusammen, besuchte Repetitorien und paukte Tag und Nacht. So erwarb ich im Schnelldurchgang das nötige Rüstzeug, um das Erste Juristische Staatsexamen zu bestehen. Ich habe sogar noch das juristische Referendariat im OLG-Bezirk München absolviert, aber dabei ist mir endgültig klargeworden, dass ich in meinem Leben nur glücklich werden kann, wenn ich mich voll und ganz der Lyrik verschreibe. Meine Frau Felizitas, eine sehr kluge und auch warmherzige Allgemeinmedizinerin, hat mich maßgeblich auf diesem dornigen Weg unterstützt und es mir ermöglicht, meine Berufung zum Beruf zu machen. Denn es gibt garantiert viel mehr gute Juristinnen und Juristen als Herausgeberpersönlichkeiten, die über das Talent verfügen, die poetische Spreu vom echten Gedichtweizen zu trennen. Das Vernetzen vieler Dichterinnen und Dichter untereinander, ihre Werke zu drucken oder im Internet zu publizieren und sie live zu präsentieren, aber auch selbst immer dichtend am Ball zu bleiben, das war und ist bis heute mein Leben.

Welche Rolle hat dabei die Stadt München gespielt?

Ich habe meine Geburtsstadt München immer als meine geistige Heimat empfunden. Dort verbrachte ich mein erstes Lebensjahr, später besuchte ich das humanistische Wittelsbacher Gymnasium, danach studierte ich in der Isarmetropole, war ein Jahrzehnt lang ständig für die IJA aktiv, schrieb als Student für den Münchner Merkur und seltener auch für die Süddeutsche Zeitung, fand meine Poetenfreunde fürs Leben wie Friedrich Ani, Helmut Krausser oder Nicola Bardola, um nur einige namentlich zu nennen. Und habe dort, nach meiner Berufung in den Kreis der Münchner Turmschreiber, maßgeblich dazu beitragen können, diese altehrwürdige Autorenvereinigung der Stadt – anfänglich gegen sehr hohe Widerstände – zu öffnen, besonders für jüngere Kollegen und vor allem für Autorinnen. Mein Wohn- und Arbeitsort Weßling war und ist für mich bis heute ein Rückzugsort im Sinne der antiken Idealvorstellung vom abwechselnden Stadt- und Landleben. Ohne München vor der Haustür und ohne meine vielen Freunde dort würde ich es in Weßling nicht aushalten.

Dein 65. Geburtstag steht bevor und dazu ein besonderes Buch: Was kannst du über diesen Gedichtband schon verraten?

Ich habe das große Glück, am Bloomsday Geburtstag zu haben, also am 16. Juni. Dazu bin ich auch noch am 16.6.61 geboren, ein Geburtsdatum, das man auch rückwärts lesen kann. Ich schreibe seit dem Jahr 1979 kontinuierlich Gedichte. Gedichte haben immer die Tendenz, sich zu zerstreuen, zu verlieren. Da sich zu meiner angeborenen Schwerbehinderung, einer Lympdrüsenerkrankung namens Elephantiasis, und zu ADS auch noch 2018 eine doppelseitige Lungenembolie, 2019 ein Herzinfarkt, 2023 eine lebensgefährliche Blutvergiftung und 2025 ein multiresistenter Krankenhauskeim hinzugesellten, verstärkte sich in mir der Wunsch, mein lyrisches Werk zu ordnen, bevor mich einmal ein neues Krankheitsevent aus der Liga meiner Vorerkrankungen für immer handlungsunfähig macht. 17 Monate lang sichtete ich mit meinen beiden Lektorinnen Gabriele Trinckler und Johanna Trischberger alles, was ich je an Lyrik publiziert und geschrieben habe. Wir verglichen die verschiedenen Fassungen der einzelnen Gedichte und trafen daraus eine Auswahl von 420 Texten, die wir für repräsentativ für mein gesamtes Schaffen erachteten. Wir entschieden uns für eine chronologische Anordnung unter Hinzufügung der Datierungen, Entstehungsorte und Quellennachweise. Fünf Literaturwissenschaftler und Kritiker haben uns dabei unterstützt. Sie begleiten auch mit sachkundigen Essays meine Werkausgabe: die junge Schriftstellerin und Übersetzerin Lorena Pircher aus Wien, der Feuilletonist Dr. Alexander Altmann, Dr. Ulrich Johannes Beil, Professor emeritus für Germanistik und Komparatistik, Dr. Norbert Göttler, hauptamtlicher Bezirksheimatpfleger von Oberbayern 2012 bis 2022, sowie der Lyriker und Essayist Christoph Leisten aus NRW. Die Buchgestaltung übernahm das Künstlerpaar Carola Vogt und Peter Boerboom aus Münsing, mit dem ich seit Jahrzehnten kreativ zusammenarbeite.

Meine Werkausgabe ist 576-Seiten stark, ihr Titel lautet: „Spät öffnet sich das Licht. Ein Leben in Gedichten. Retrospektive 1980 bis 2025.“ Nie habe ich an ein Buch länger hingearbeitet, es ist das Projekt meines Lebens geworden und es hätte ohne die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer nie erscheinen können. Die öffentliche Buchpremiere und das dazugehörige Geburtstagsfest steigen am 16. Juni 2026 ab 19 Uhr im Lyrik Kabinett in München.

Der Monacensia hast du deinen Vorlass übergeben: Wie ist die Aktion über die Bühne gelaufen?

Mein literarischer Vorlass ist ein ungewöhnlich umfangreicher Vorlass, weil er nicht nur mein eigenes, langjähriges literarisches und editorisches Werk umfasst, sondern auch das Archiv der „Initiative Junger Autoren“ (IJA) und das riesige Archiv meines Verlags, in dessen Arbeitszentrum bis heute die buchstarke Jahresschrift „Das Gedicht“ steht, mit entsprechend vielen Korrespondenzen, Manuskripten, Buch-Belegexemplaren sowie Ton- und Videobildträgern. Nach einem ersten, ausführlichen Gespräch in der Monacensia, für das sich die Leiterin der Monacensia Anke Buettner sowie der Leiter des Literaturarchivs Thomas Schütte mehrere Stunden Zeit genommen hatten und an dem auch meine Frau Felizitas beteiligt war, stimmten beide Seiten darin überein, dass die Monacensia der richtige Ort für die Aufnahme und Verwaltung meines literarischen Vorlasses ist, auch weil ich als ungewöhnlich großer Netzwerker mit jahrzehntelangem München-Bezug sehr gut in deren Sammlungsprofil passe. Wir sichteten unzählige Ordner, versahen sie mit Objektnummern, ordneten sie meinem eigenem Vorlass, dem Archiv der „Initiative Junger Autoren“ und dem Archiv meines Verlags zu und legten für jedes einzelne Objekt den Zeitpunkt der Übergabe fest. Die Übergabe sollte in drei Chargen erfolgen: Die erste Charge Ende 2024, kurz vor Weihnachten, die zweite Charge im Frühjahr 2025 und die dritte Charge nach meinem Tod. Gleichzeitig stimmten wir uns mit meinem Steuerberater ab, was die Übergabe von Geschäftsberichten des Verlags betraf. Der ganze Prozess dauerte vom ersten Gespräch im Frühjahr 2024 bis zum Frühjahr 2025. Die Sichtung meines Archivs war eine Reise durch mein gesamtes Leben, die Trennung von allem, was mir so viel bedeutete, ein hoch emotionaler Vorgang – wobei die Übergabe der ersten Charge einige Tage vor Weihnachten, am 20. Dezember 2024, auch eine große physische Anstrengung war, denn der Jurist Jonas Menzel kam zusammen mit einem Archivar nach Weßling, um gemeinsam mit mir die ersten gepackten ca. 50 Umzugskartons vom Verlagsuntergeschoss in ihren Lieferwagen zu verfrachten. Danach waren wir alle drei ziemlich erschöpft und beschlossen, dass die zweite Charge, die ich mit meinem Team noch packen musste, dann im Frühjahr 2025 von einer Spezialspedition abgeholt werden würde, was dann auch völlig reibungslos über die Bühne ging.

Was bedeutet für dich die Monacensia?

Die Monacensia ist für mich so etwas wie meine verlängerte Münchner Wohnung in Traumlage, der Wunschort, wo ich mich und mein Werk gut aufgehoben sehe, auch dann, wenn ich einmal nicht mehr bin, und zudem ein Ort, wo auch die Werke von vielen literarischen Weggefährten und Freunden aufgehoben sind, beispielsweise von Herbert Rosendorfer, von Said und Gert Heidenreich. Es ist, gerade für mich, der ich von Kindesbeinen an lernen musste, mit einer schweren und seltenen Krankheit zu leben und zu überleben, eine beruhigende Aussicht, dass es diesen Ort der Bewahrung des literarischen Gedächtnisses in München gibt, und ich als Mitbewohner dort einziehen durfte. Und es ist auch ein sehr befreiendes Gefühl, rechtzeitig losgelassen zu haben und mich von Dingen getrennt zu haben, die mir so viele Jahre lang so sehr viel, wenn nicht sogar alles, bedeutet haben in Leben. All das, was ich über die Jahrzehnte zusammengetragen habe, bleibt damit auf längere Sicht der Öffentlichkeit und der Wissenschaft erhalten, damit kann ich auch allen, die mich in meinem Schriftsteller– und Editoren- sowie Verlegerleben unterstützt haben, allen voran meiner Heimatstadt München, etwas zurückgeben.

Aufgrund des Umfangs meiner Archive wären bei realistischer Betrachtung nur zwei Archive für die Aufnahme in Frage gekommen: Die Monacensia oder das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA). Für mich persönlich war die Monacensia die erste Wahl, weil mir dieser Ort schon sehr lange etwas bedeutet, so feierten wir beispielsweise im Mai 1991 dort mit der „Initiative Junger Autoren“ die 50. Ausgabe unseres Literaturflugblatts „Der Zettel“ – es war ein großes Sommer- und Literaturfest, das mir bis heute in guter Erinnerung geblieben ist.

Die sensible, respektvolle Aufnahme und Behandlung von mir und meiner Frau Felizitas durch die Leitung und das Team der Monacensia zeigt mir, dass meine Entscheidung richtig war.

(Foto: Nicola Bardola. MonTalk im Mai 2026)

MonTalk mit Harald Eggebrecht

0 Eggebrecht 04 kl

Harald Eggebrecht in der Monacensia im Café lev im Februar 2026

Sie sind Journalist und Autor. Ihr Vorlass ist in der Monacensia. Wie kam es dazu?

Auslöser war die Übergabe des Nachlasses meines Vaters Jürgen Eggebrecht. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch mit dem Nachlass meines Bruders in der Monacensia, des Cellisten und Münchner Philharmonikers Jörg Eggebrecht ging alles sehr gut. Dadurch bekam ich dann Lust, meine eigenen Sachen zu sichten und sozusagen „in Sicherheit“ zu bringen. Außerdem ging es mir so wie den meisten Schriftstellern: Die Wohnungen sind überfüllt mit Büchern und Schriftstücken. Und wenn man für den Rundfunk arbeitet, häufen sich auch viele Kassetten an. Darauf befinden sich entweder Sendungen, die ich selbst redigiert habe oder dafür verantwortlich war oder eigene Sendungen. Das alles wollte ich irgendwie retten. Wenn man versucht, das selbst aufzubewahren, ist die Gefahr groß, dass es irgendwann doch verloren geht – bei einem Umzug – oder kaputt geht, allein durch unsachgemäße Lagerung. So befindet sich Vieles der Familie Eggebrecht bei der Monacensia. Nur bei meinem Bruder Arne Eggebrecht, dem Ägyptologen, war das nicht mehr möglich. Sein Nachlass liegt im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim, wo er Direktor war.

Hatten Sie Schwierigkeiten, sich von bestimmten Dokumenten zu trennen?

 Fast alle Briefe sind in der Monacensia – berufliche und private. Aber auch alle Familienbriefe. Insofern ist in der Monacensia ein ganzes Eggebrecht-Konvolut. Aber man ist ja immer auch Selbstverwerter. Unterlagen zu besonderen Themen, von denen ich denke, die könnte ich irgendwann noch brauchen, wollte ich behalten. Es ist also noch einiges bei mir. Nur ein Beispiel: Als im Dezember 2025 eine neue Filmserie über die angebliche Vergiftung Mozarts durch Salieri erschien, sollte ich sie besprechen (Anm. NB: In „Süddeutsche Zeitung: Wow Serie – Historisch oft falsch, dafür eher fad“, 21.12.2025). Da war ich froh, mein altes Rundfunkmanuskript zu „Mozart im Kino“ noch zur Hand zu haben.

Welche Materialien zum Fortsetzungsroman „Das große Spiel“ aus den Federn des „Percy-Warberger“-Schriftsteller-Trios befinden sich in der Monacensia?

 Das war ja eine komplexe Entstehungsgeschichte: Ich saß hier in München in der Süddeutschen Zeitung, Sten Nadolny war glücklicherweise auch in München, aber unser dritter Co-Autor Michael Winter lebte in Koblenz. Also kamen die Beiträge über Kopien, die mir zugeschickt wurden. Ich war derjenige, der die Texte in der Redaktion zusammenführte. Es waren 52 Folgen – ein ganzes Jahr – in denen wir alle Möglichkeiten ausprobiert hatten: Eine Folge haben wir zu dritt geschrieben oder jeder hat auch mal drei Folgen hintereinander allein geschrieben, doch meistens wechselten wir uns einigermaßen regelmäßig ab. Viele der Texte kamen per Fax in jenem Druck, der sich nicht hält, sondern ziemlich rasch verblasst. Deswegen war es mir wichtig, dass alles, was ich davon noch hatte, in die Monacensia geht, wo es abfotografiert werden kann. Da sind Korrekturen drin oder Kürzungen, die ich vornahm, die einiges über das Zustandekommen der Texte erzählen.

Worauf darf die Monacensia noch hoffen? Was befindet sich noch bei Ihnen?

 Die Reisetagebücher. Die brauche ich noch, allein schon wegen der Daten. Aber die Journale haben auch eine eigene Aura, haptisch und optisch. Die benötige ich beim Recherchieren und Schreiben. Sie inspiriert mich - meine Handschrift und die immergrüne Tinte. Diese Journale sind Anlass für Anderes. Für eigene Erzählprosa brauche ich diese ziemlich nüchternen Notizen etwa zu Reisen nach China, in die Südsee, nach Amerika oder durch Europa. Damit arbeite ich zuhause.

Der Nachlass Ihres Vaters Jürgen Eggebrecht in der Monacenisa umfasst 41 Kassetten. Der Bestand ist zur Benutzung erschlossen. 684 Manuskripte, 8175 Briefe, 65 Fotografien und 13 Zeichnungen. Was ist Ihre liebste Archivalie aus diesen Beständen?

Da gibt es viele. Zum Beispiel auch ein früher Brief von Joachim Kaiser an meinen Vater. Darin macht Kaiser einen Vorschlag für eine Rundfunksendung. Die Antwort meines Vaters war eher kühl. Kaiser war damals halt noch nicht ‚der‘ Kaiser. Aber die beiden lernten sich dann gut kennen und Kaiser sprach ja auch in der Monacensia im Jahr 2010 anlässlich der Ausstellung „In der Zukunft war ich schon“, zu der es auch einen Begleitband von Florian Welle gibt (Allitera Verlag). 

Was bedeutet vor diesem Hintergrund die Monacensia für Sie?

Wenn ich meine eigene Familie nachblättern wollte - in ihren amtlichen und nichtamtlichen Verhältnissen -, dann würde ich in die Monacensia gehen.

(Foto: Nicola Bardola - MonTalk im April 2026)

MonTalk mit Nina Sahm

Nina Sahm

 Nina Sahm in der Monacensia im Dezember 2025

Du hast Germanistik studiert und mehrere Romane veröffentlicht. Sind Bücher das Wichtigste in deinem Leben?

Fast! Seit ich Kinder habe, kommt meine Familie an allererster Stelle. Aber auf dem Platz direkt dahinter sind Bücher. Ich habe schon immer viel gelesen, in der Stadtbibliothek in meinem kleinen Heimatort war ich bekannt für die großen Stapel, die ich ausgeliehen und in Rekordtempo gelesen und zurückgebracht habe. Und auch beruflich beschäftige ich mich ständig mit Büchern. Ich schreibe Romane, habe als Verlagsredakteurin und Literaturagentin gearbeitet, aktuell bin ich als Lektoratsleitung im Digitalverlag dotbooks tätig. 

Wann und wie genau bist du nach München gekommen?

Ich bin in der Nähe von Nürnberg aufgewachsen, und war dann für das Studium und erste Jobs in einigen Städten zuhause. Mittlerweile wohne ich seit genau 13 Jahren in München, es hat mich zum Schreiben hergezogen – erst nach Giesing, dann kurz nach Harlaching und nun wohne ich schon seit einigen Jahren mitten in Haidhausen. 

Deine erzählerischen Wege führen bis nach Reykjavik. Über deinen Roman "Die Tage mit Bumerang" schrieb Antje Weber in der Süddeutschen Zeitung: “Eine bittersüße Geschichte über Schafe und Strafe.” Die Geschichte spielt in einem Dorf. Aber von der Stadt München bist du im Alltag umgeben. Wie beeinflusst München dein Schreiben?

Ich mag die Stadt (und die Nähe zu den Seen und Bergen) sehr. Beim Schreiben beeinflussen mich eher die Menschen, denen ich begegne und die Geschichten, die sie erzählen. Aber natürlich ist auch das ganze kulturelle Angebot immer eine Inspiration. Und es ist wunderbar, wie viele andere Büchermenschen hier leben, der Austausch mit Gleichgesinnten ist Gold wert und bringt mich auf neue Ideen – entweder fürs eigene Schreiben oder für die Arbeit im Verlag. 

Wie lebt es sich als Bücherfrau an der Isar?

Sehr gut! Jeden Samstagvormittag bin ich sogar IN der Isar und gehe mit Freunden eine Runde Eisbaden. Ansonsten radel ich unter der Woche über eine der Isarbrücken ins Verlagsbüro. Dort leite ich ein Team mit sieben tollen Redakteur:innen und bin neben der Programmplanung für unser großes digitales Programm auch regelmäßig im Austausch mit den Taschenbuch- und Audio-Teams von Saga Egmont, da dotbooks seit 2022 ein Imprint des dänischen Verlags ist. Das trifft sich wirklich gut, denn Kopenhagen ist direkt nach München meine zweite Lieblingsstadt. 

Was bedeutet die Monacensia für dich?

Die Monacensia ist für mich ein Ort der Inspiration und Begegnung. Ich komme jedes Mal gerne dorthin, ob zu  Lesungen, ins Café oder zu Netzwerktreffen mit anderen Autor:innen auf Einladung des Kulturamts. Besonders toll finde ich, dass in einem Raum alle Bücher von Münchner Schriftsteller:innen stehen. Nun will ich endlich wieder einen neuen Roman schreiben, der dann seinen Platz in einem der Regale finden kann.  

(Foto: Nicola Bardola – MonTalk im März 2026)

MonTalk mit Friedrich Ani

Friedrich Ani 2

Friedrich Ani in der Monacensia im Dezember 2025

Wann bis du nach München gezogen? Und unter welchen Umständen?

Mein erster Wohnsitz war in Schwabing 1978, allerdings war ich als Kind und Jugendlicher regelmäßig bei Verwandten in München, immer in Schwabing, lange hatte ich keine Ahnung, wie die übrigen Stadtteile heißen. 1978 hatte ich das Abitur hinter mir und mein erstes Bob-Dylan-Konzert gesehen (in Nürnberg), jetzt musste ich dringend vom Land in die Stadt und schreiben üben.

Vor kurzem ist dein Buch "Schlupfwinkel" erschienen. Du erinnerst dich darin an Kochel. Was macht den Unterschied aus? Dort das Land mit den Bergen, hier die Stadt mit der Asphalt-Literatur?

Mit dem Begriff Asphalt-Literatur kann ich nichts anfangen, klingt nach einer dieser vielen Schubladen, in die Autorinnen und Autoren gestopft werden, damit sie gut aufgehoben sind und nicht wahllos in der Gegend rumliegen und stören. Vielleicht gibt es in den Bergen eine Kalksteinliteratur oder eine Gletscherspaltenliteratur. Ich kam nach München, um ohne Schubladen zu leben, ich brauchte Luft und Leute um mich, die mich lehren durchzuschnaufen und einen eigenen Atem zu entwickeln. Hat geklappt, glaube ich.

Wann hast du die Monacensia entdeckt?

Das weiß ich nicht mehr, das Haus, diese Institution, war für mich schon immer da, ich hatte auch ziemlich Respekt davor, wirkte etwas einschüchternd auf mich, der Bau. Hat sich gelegt, inzwischen zolle ich dem Haus freiwillig den größten Respekt.

Welchen Text aus den Jahrbüchern empfiehlst du?

Den Beitrag über den Briefwechsel der Bachmann mit Kesten hat mich in Beschlag genommen, vor allem, weil manches klingt, als sei es für eine spätere Veröffentlichung geschrieben, der Adressat eher Mittel zum Zweck. Wahrscheinlich täusche ich mich. Bei Tagebüchern und Briefwechseln entwickele ich immer eine Scheu, darf ich das lesen, soll ich, bin ich ein Voyeur. Alles in allem: Die Beiträge in den Jahrbüchern sind immer lesenswert.

Was bedeutet die Monacensia für dich?

Ein Haus, welches das kulturelle Leben in München ehrt und bewahrt, über die Zeiten hinweg, eine Institution, die der kleinen Stadt am Fluss zur Ehre gereicht. (Foto: Nicola Bardola – MonTalk im Februar 2026)

MonTalk mit Gunna Wendt

Gunna Wendt 2

Gunna Wendt in der Monacensia im Dezember 2025

Wie erinnerst du dich an die ersten Kontakte zur Monacensia?

Nachdem Elisabeth Tworek die Leitung der Monacensia übernommen hatte, gab es dort eine gewisse Aufbruchstimmung, die mich stark ansprach und ziemlich früh zu einer Zusammenarbeit führte. 1995 konzipierte ich die Ausstellung "Zerlegen und Zusammensetzen. Gert Hofmanns literarische Welten" aus Gert Hofmanns Nachlass und verfasste den gleichnamigen Essay, der im A1 Verlag erschien. Damit begann eine jahrelange Zusammenarbeit. Ich kuratierte Einzelausstellungen zu Thomas Strittmatter ("Der Tod ist eine Maschine aus Eis") und Lena Christ ("Die Glückssucherin") sowie Themenausstellungen wie "Fremd(w)orte. Schreiben und Leben. Exil in München" und "Der Traum vom Schreiben. Schriftstellerinnen in München (1860 bis 1960)". Auch für meine Bücher, in denen es oft um Frauen geht, die sich selbst erfunden haben und erfinden, habe ich in der Monacensia recherchiert und bin immer freundlich aufgenommen worden. Liesl Karlstadt, Franziska zu Reventlow, Lena Christ, Erika Mann, Therese Giehse waren u.a. meine Themen.

Ist dir ein Artikel in den Jahrbüchern besonders aufgefallen, den du weiterempfehlen möchtest?

Ein Artikel, der mich stark berührt hat, ist der von Daniela Weiland im aktuellen Jahrbuch 2025: "Ich bin sicher ein Mensch, der in der Freiheit besser gedeiht." Die vergessene Münchner Fotografin Stephanie Held-Ludwig und ihr 'Atelier Veritas'. Die Fotografin kennen zu lernen, von der ein besonders schönes Lena Christ-Porträt stammt, war für mich ein Gewinn.

Die Monacensia gilt als das literarische Gedächtnis der Stadt. Hans Magnus Enzensberger sagte: „Die Monacensia ist ein bisschen family“. Was bedeutet die Monacensia für dich?

Ein toller Satz von Enzensberger ist das. Ich denke bei der Monacensia nicht so sehr an Familie, sondern an Freundschaft. Freundschaft, die Interesse, Anregung und Unterstützung beinhaltet. Nicht zu vergessen: große Sachkenntnis. Vor allem ist die Monacensia für mich ein Ort, an dem man selbstverständlich in die Geschichte, vor allem die Münchner Literaturgeschichte, eintaucht - von einem Moment zum anderen: Gerade ausgestiegen aus der Tram an der Holbeinstraße, ein paar Schritte die Siebertstraße entlang, hinein ins Hildebrandhaus und schon fühlt man sich in eine andere Zeit und in eine andere Welt versetzt - ein bisschen wie mit einer Zeitmaschine - und genießt diese Reise. (Foto: Nicola Bardola – MonTalk im Januar 2026)

Die Autoren und Autorinnen des Jahrbuchs 2022 waren: Vera Botterbusch, Anke Buettner, Christa Elferich, Sebastian Fröhlich, Bernhard Gajek, Hiltrud Häntzschel, Hermann Henne, Walter Hettche, Kristina Kargl, Hildegard Kronawitter, Ingvild Richardsen, Thomas Schütte, Sylvia Schütz, Christiane Wyrwa. Aktuellere Jahrbücher und Inhalte unter Jahrbücher der Freunde der Monacensia e.V.

Bassermann-Jordan, Gabriele von/Fromm, Waldemar/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2021 
ISBN: 978–3–96233–318–8
Allitera Verlag, 328 S., Paperback
€ 24.90

Bestellen


Die bisher erschienenen Jahrbücher der Freunde der Monacensia e. V. sind in der Monacensia und im Buchhandel erhältlich. Oder einfach online direkt beim Verlag bestellen:

Bassermann-Jordan, Gabriele von/Fromm, Waldemar/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2020 
ISBN: 978-3-86906-195-5
Allitera Verlag, 296 S., Paperback
€ 22.90

Bestellen


Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)

Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2019
ISBN: 978-3-96233-195-5
Allitera Verlag, 336 S., Paperback
€ 24.90

Bestellen


Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2018 
ISBN: 978-3-96233-085-9 
Allitera Verlag, 336 S., Paperback
€ 24.90

Leseprobe (PDF)

Bestellen


Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2017 
ISBN: 978-3-96233-001-9 
Allitera Verlag, 282 S., Paperback
€ 19.90

Leseprobe (PDF)

Bestellen


Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)

Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2016 
ISBN: 978-3-86906-955-5 
Allitera Verlag, 204 S., Paperback
€ 18.90

Bestellen


 Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)

Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2015
ISBN: 978-3-86906-794-0
Allitera Verlag, 308 S., Paperback
22.90 Euro

Leseprobe (PDF)

Bestellen
Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2014
ISBN: 978-3-86906-662-2
Allitera Verlag
236 S., Paperback
€ 19.90

Leseprobe (PDF)

Bestellen

Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2013
ISBN: 978-3-86906-587-8
Allitera Verlag
232 S., Paperback
19.90 Euro

Bestellen


Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2012
ISBN: 978-3-86906-370-6
Allitera Verlag
252 S., Paperback
19.90 Euro

Leseprobe (PDF)

Bestellen

Fromm, Waldemar/Göbel, Wolfram/Kargl, Kristina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2011
ISBN: 978-3-86906-171-9
Allitera Verlag
184 S., Paperback
16.90 Euro

Bestellen


Fromm, Waldemar/Kargl, Christina (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2010
ISBN: 978-3-86906-139-9
Allitera Verlag
Paperback
18.90 Euro

Bestellen


Fromm, Waldemar und Göbel,Wolfram (Hg.)
Freunde der Monacensia e.V. – Jahrbuch 2009
ISBN: 978-3-86906-038-5
Allitera Verlag
188 S., Paperback
14.90 Euro

Bestellen